Wintertage an der Hache
Nienstedter Leichenweg
Wiehengebirge? - Nein, nur der Geestabbruch am Ortsausgang von Henstedt
(© ga&ul 2021 / 2026)
Von Syke nach Henstedt
Heute starten wir mal wieder von Zuhause aus. Über die Straße und ein Stückchen hügelan, schon sind wir in der freien Natur. Sofern man bei der uns umgebenden Kulturlandschaft von 'frei' und 'Natur' sprechen kann. Pünktlich mit Jahresbeginn hat Schneefall eingesetzt und die Landschaft verwandelt, so dass wir eine wunderschöne, erste Winterwanderung vor uns haben, auch wenn die Sonne sich an diesem Tag eher bedeckt hält.
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Über die Höhen zur Twillbeeke
Wir verlassen Syke über die südlich der Stadt gelegenen Hügel und laufen auf Ramminghausen zu, das eigentlich nur aus ein paar Häusern besteht. In einem Wäldchen hängt seit Jahren ein Schaukelseil, mal mit, mal ohne Sitzteller, das bei unseren Enkeln immer sehr beliebt ist, wenn wir dort vorbei radeln.
Hinter Ramminghausen müssen wir noch einmal auf die Höhe, bevor es in das Tal der Twillbeeke hinab geht. Der Bach schlängelt sich malerisch durch sein kleines Tal. Immer wieder begegnet uns hier ein Rotkehlchen. Gar nicht scheu sucht es mal ein Würmchen, mal ein Insekt zwischen den Blättern an schneefreien Stellen.
Die Twillbeeke mündet bei Nienstedt in die Hache. Sogar dieser kleine Bach hat vor Jahren auf einem der Gehöfte im Ort eine Mühle angetrieben. Von der Mühle ist nicht viel übrig geblieben. Nur der Stauteich erinnert noch daran, dass man früher auch kleinere Energiequellen genutzt hat.
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Über die Hache zum Nienstedter Leichenweg
Einst gab es in Nienstedt eine hölzerne Brücke über die Hache, so dass man direkt vom Ort über die Hache auf die Heiligenfelder Seite wechseln konnte, um die Toten dort bei der Kirche zu beerdigen. Doch die Brücke wurde irgendwann von einem Hochwasser mitgerissen und danach nicht wieder aufgebaut.
Seitdem wächst der Weg auf Nienstedter Seite zu, während auf der anderen Seite ein Stück des Weges privatisiert wurde. Wir müssen also einen Umweg über Henstedt und über die heutige Straßenbrücke auf uns nehmen, um zum Leichenweg zu gelangen.
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Auf dem Leichenweg nach Clues
Gleich hinter der Hachebrücke zweigt nach links ein Sträßchen ab, das uns direkt zum Nienstedter Leichenweg führt. Die Straße trägt einen ungewhönlichen Namen; Avenue Marc Sagnier. Ungewöhnlich ist auch die Geschichte, die hinter diesem Namen steckt:
Die Tochter eines Anwohners hatte von einer Klassenfahrt nach Frankreich ein Straßenschild mit der Aufschrift 'Avenue Marc Sagnier' mitgebracht. Das brachte die Familie auf die Idee, ihre Straße so zu benennen. Gesagt, getan. Die zuständige Kommune erklärte sich schließlich auch damit einverstanden. Und so erhielt die vorher namenlose Straße eben den besagten Namen und heißt bis heute so, ganz offiziell. |
Wir dürfen also ein Stückchen durch Frankreich laufen, so kommt es einem fast vor. Am Ende der Straße beginnt ein Privatgrundstück, durch das einmal der Weg nach Clues und über die Brücke nach Nienstedt führte. Für uns heißt es jedoch: Rechts ab, marsch, marsch. Wir befinden uns nun tatsächlich auf dem historischen Leichenweg, Er windet sich bergauf an Äckwern entlang durch die Landschaft. Nach ein paar hundert Metern, dort wo der Weg wieder bergab führt, wartet eine Bank auf müde Wanderer. Bei der winterlichen Witterung für uns keine Verlockung. Wir haben einen anderen Rastplatz im Auge.
Noch ein Stück weiter macht der Weg einen Knick nach links und gibt den Blick frei auf mehrere große Gehöfte. Sie gehören bereits zum Dörfchen Clues. Am Wegrand werden wir begrüßt von einer kleinen Schar Schafe. Vor einem Wäldchen ginge es für die Sargträger rechts ab zur Heiligenfelder Kirche. Wir laufen mit einer leichten Verschwenkung geradeaus weiter und auf einen Ackerwagen zu. Er gehört zur Clueser Danzdeel, deren Gebäude gut eingezäunt links von uns liegen. Das Asphaltsträßchen führt hier rechts weiter.
Wir verlassen hier die Straße und folgen einem Weg bergab. Rechts hat sich ein tiefer Taleinschnitt aufgetan, der wohl im Zuge der Eiszeit als Schmelzwasserrinne entstanden ist. Im Tal sprudelt heute eine Quelle, die talabwärts mehrere Fischteiche mit Wasser versorgt und hier einen kleinen Stauteich bildet. Am Ende steht rechts unser Zwischenziel, eine winzige Wanderhütte mit Platz für zwei. Sie bietet uns jetzt in der kalten Winterzeit einen trockenen, windgeschützten Sitzplatz für eine kleine Rast. Schließlich wartet im Rucksack heißer Tee und Stollen, die nun endlich verzehrt werden wollen. Über einen Damm, der den Stauteich abschließt, gelangen wir trockenen Fußes dorthin zu der Hütte und lassen es uns gutgehen.
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Von Clues an der Hache zurück
Nachdem wiederr alles im Rucksack verstaut ist, machen wir uns auf zur letzten Etappe. Die beginnt mit einem Fußpfad, der nach rechts aus dem Tal herausführt. Oben angekommen folgen wir ein Stückchen der Straße nach links, bevor nach rechts ein steil ansteigender Pfad abzweigt. Er ist als solcher erst einmal kaum zu erkennen, sieht aus wie eine Acker-Zufahrt. Er führt jedoch oben um eine tiefe Kuhle herum und wieder abwärts Richtung Rehrßen. Das Dörfchen besteht wie so viele andere hier aus drei vier Gehöften, von denen jedoch nur noch eines bewirtschaftet wird.
Es geht durch das erste Gehöft hindurch auf die Rehrßer Straße zu. Wir biegen links ab und folgen beim nächsten Gehöft dem Wegweiser zur Klus-Kapelle:
"Eine Klus ist die Bezeichnung für eine alte, kleine Kapelle....", schreibt Wikipedia. Aber bei unserer Klus handelt es sich um weit mehr. Die Klus (Klause, Klausur) bei Syke war fast 35 Jahre lang spiritueller Rückzugsort für viele hundert Menschen, die dort im Laufe der Jahre Ruhe zur inneren Einkehr, Zuflucht und die Nähe zu Gott gesucht haben. Geführt wurde sie von Schwestern der Lemförder Diakonissen-Schwesterschaft. (siehe Beitrag in der Kreiszeitung vom 03.05.2024) |
Bis zur Klus-Kapelle ist es dann nicht mehr weit. Und wie immer, wenn wir hier vorbei kommen, legen wir eine kleine Pause ein, um den Blick über das Hachetal zu genießen und ein wenig in der Kapelle innezuhalten.
Danach setzen wir unseren Weg in Richtung Steimke fort. Aber wir wollen nicht durch den Ort, sondern queren hier noch einmal die Hache. Denn auf der anderen Seite lockt ein schöner Feldweg, der parallel zur Hache auf Syke zu läuft. Unterwegs begrüßen uns die Rinder, die hier den ganzen Winter im Freien verbringen und sich ein entsprechend wolliges Winterfell zugelegt haben.
Am Ende des Weges - geradeaus führt er auf den alten Hassinghausen-Hof zu - biegen wir links ab in einen von Bäumen gesäumten Pfad. Wer mag, kann hier mal nach einem Geocache Ausschau halten. Ein zweiter befindet sich übrigens versteckt im Gebüsch am vorherigen Weg. Schließlich kommen wir an eine Weggabelung. Geradaus führt der Weg zur Henstedter Straße hoch. Wir gehen rechts und legen das letzte Stück dieser Wanderung unter riesigen, alten Buchen zurück. Kurz darauf sind wir wieder am Startort angekommen, dem Parkplatz des Syker Hallenbades.
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Fazit
Nicht nur im Sommer ein Vergnügen für unternehmungslustige Wanderer mit Gelegenheit zur inneren Einkehr.
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2026-01-04
Zoombare Karte zur Wanderung |
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